Kapitel 2 · Techniken

Techniken, die den Unterschied machen

Über die Grundstruktur hinaus gibt es eine Handvoll Techniken, die bei schwierigeren Aufgaben spürbar bessere Ergebnisse liefern.

Zero-Shot

Die Aufgabe wird beschrieben, ohne Beispiele mitzugeben. Das reicht für einfache, eindeutige Aufgaben und ist der Normalfall im Alltag.

Fasse den folgenden Text in fünf Stichpunkten zusammen.

Few-Shot

Zwei bis fünf Beispiele zeigen die gewünschte Form. Besonders wirksam bei Klassifikation, festen Textbausteinen und immer gleichen Auswertungen.

Ordne jede Kundenanfrage einer Kategorie zu: Störung, Angebot, Rechnung, Sonstiges. "Der Drucker geht nicht mehr" → Störung "Was kostet ein zweiter Bildschirm?" → Angebot "Auf der letzten Rechnung fehlt eine Position" → Rechnung "Können Sie uns Montag anrufen?" →

Wichtig: Die Beispiele sollten die Bandbreite abdecken, auch Grenzfälle. Zu einseitige Beispiele engen die Antworten unnötig ein.

Chain-of-Thought

Das Modell wird aufgefordert, den Lösungsweg in Zwischenschritten offenzulegen. Bei Rechenaufgaben, Vergleichen und mehrstufigen Entscheidungen sinkt dadurch die Fehlerquote.

Prüfe, ob sich die Anschaffung lohnt. Gehe dabei Schritt für Schritt vor: 1. Liste alle genannten Kosten auf. 2. Rechne sie auf ein Jahr hoch. 3. Stelle sie dem genannten Nutzen gegenüber. 4. Ziehe erst danach ein Fazit in zwei Sätzen.

Der Nebeneffekt: Der Weg ist nachvollziehbar und lässt sich prüfen. Bei Antworten ohne offengelegten Weg bleibt nur, das Ergebnis zu glauben.

Rollen- und Perspektivprompts

Neben der Rolle des Antwortenden lässt sich auch eine Prüfperspektive einnehmen – etwa um einen fertigen Text kritisch gegenlesen zu lassen.

Lies den folgenden Angebotstext aus Sicht eines misstrauischen Einkäufers. Nenne die drei Stellen, an denen er nachhaken würde, und warum.

Kontextanreicherung

Statt das Modell raten zu lassen, werden die relevanten Unterlagen direkt mitgegeben: Preisliste, Leistungsbeschreibung, bisheriger Mailverlauf. In größeren Umgebungen übernimmt das ein RAG-System automatisch.

Beantworte die Frage ausschließlich anhand der folgenden Leistungsbeschreibung. Wenn die Antwort dort nicht steht, schreibe: "Steht nicht in der Beschreibung." Leistungsbeschreibung: "…"

Iteration statt Perfektion

Ein Prompt muss nicht auf Anhieb sitzen. Schneller ist es, mit einer knappen Fassung zu starten und gezielt nachzubessern.

  • „Zu lang – halbiere die Länge, behalte alle Zahlen."
  • „Der Ton ist zu werblich. Schreibe nüchtern, ohne Adjektive."
  • „Punkt 3 ist unklar. Formuliere ihn als konkrete Handlungsanweisung."

Selbstprüfung

Das Modell kann seine eigene Antwort in einem zweiten Schritt gegen Kriterien prüfen. Das ersetzt keine menschliche Kontrolle, fängt aber offensichtliche Schwächen ab.

Prüfe deine Antwort anhand dieser Kriterien und korrigiere sie, falls nötig: – Enthält sie eine Zahl, die nicht im Ausgangstext steht? – Ist sie länger als 120 Wörter? – Enthält sie Zusagen zu Terminen oder Preisen? Gib nur die korrigierte Endfassung aus.

Strukturierte Ausgabe

Wenn die Antwort weiterverarbeitet werden soll, hilft ein festes Ausgabeformat. So lassen sich Ergebnisse in Tabellen oder andere Systeme übernehmen.

Gib das Ergebnis als Tabelle mit genau diesen Spalten aus: Position | Menge | Einzelpreis | Gesamtpreis Keine weiteren Spalten, keine Erklärungen.